Mehr Mitglieder, weniger Bienen

Klaus Uhle, Dietmar Kleine-Kappenberg, Gertrud Herbster, Arnolz Riezi, Benjamin Palmer und Norbert Uttner freuen sich über zahlreiche neue Mitglieder. Foto: Jekle
 

Klaus Uhle, Dietmar Kleine-Kappenberg, Gertrud Herbster, Arnolz Riezi, Benjamin Palmer und Norbert Uttner freuen sich über zahlreiche neue Mitglieder. Foto: Jekle

 

Kreis Lörrach - Viel Einigkeit herrschte bei der Generalversammlung des Lörracher Imkervereins am Mittwochabend in der BBV-Akademie: Einstimmig wurden alle Wahlen und Entlastungen angenommen.

 

Rückschau

Vorsitzender Norbert Uttner stellte zunächst seinen Bericht für 2018 vor. Erfolgreich verliefen die Imkerschulungen des Vereins: 20 Bienenzüchter wurden theoretisch ausgebildet, und 14 Teilnehmer kamen zum Kurs „Begleitetes Imkern“. „Die Schulungen haben viel Spaß gemacht und sich bewährt“, freute sich Uttner. Auch 2019 sind wieder Lehrgänge geplant.

Im vergangenen April wurde bei der Badenova in Lörrach ein Bienenstand eröffnet. Im August gab Uttner den Teilnehmern des Seniorensommers einen Einblick ins Thema Bienenvölker. Diverse Treffen und Vorträge prägten das Vereinsjahr.

Die Imker-Landesverbände Baden und Württemberg streben einen Zusammenschluss an, über den in zwei Jahren abgestimmt werden soll. „Ich finde diesen Schritt absolut notwendig“, betonte Uttner. „Man muss mit der Zeit gehen.“

 

Kontinuierliches Wachstum

Der Imkerverein hat derzeit 58 Mitglieder – seit 2012 haben die Lörracher Bienenzüchter ein kontinuierliches Wachstum verzeichnet. Interessanterweise werden heute pro Mitglied deutlich weniger Bienenvölker gehalten: Waren es vor sechs Jahren noch 367 Völker unter den damals 37 Mitgliedern, sind es heute nur noch 338. „Viele Jungimker halten die Bienen aus Freude an der Natur und haben weniger Völker“, erklärte Uttner. Ihn freut es, dass sich der Verein verjüngt.

 

Wahlen

Wegen des Mitgliederwachstums hat der derzeitige Vorstand – Klaus Uttner, Gertrud Herbster und Klaus Uhle – sich zu einer erneuten Amtszeit entschlossen. Die Wahl wurde einstimmig angenommen. Zudem wurden vier Beisitzer und mit Michael Palmer ein neuer Schriftführer bestimmt.

 

Ehrungen

Für 25 Jahre Mitgliedschaft wurde Gertrud Herbster mit der Goldenen Ehrennadel des deutschen Imkerverbandes ausgezeichnet. Imkerverein Lörrach Vorsitzender: Norbert Uttner, Mitglieder: 58, Kontakt: www.imkerverein-loerrach.de oder Tel. 07673 4526125.  Die Lörracher Imker sind bei der Regio-Messe mit einem eigenen Stand vertreten (Halle 3, Stand 304).

 

Die Biene macht Staat

Die Oberbadische, 13.08.2018 04:35 Uhr

 
Frisch aus der Wabe schmeckt‘s am Besten: Norbert Utner (von links), Günter Kapp und Daniel Miguel Foto: Willi Vogl Foto: Die Oberbadische

Frisch aus der Wabe schmeckt‘s am Besten: Norbert Utner (von links), Günter Kapp und Daniel Miguel Foto: Willi Vogl

 

„32 000 Kilometer Flugleistung sind für ein Pfund Honig nötig“, nennt Norbert Utner eine von vielen erstaunlichen Fakten um die Bienen. Im Rahmen des Seniorensommers gab der Vereinsvorsitzende des Lörracher Imkervereins einen vielfältigen und lehrreichen Einblick in das Leben der Bienen und die Honigernte.

Von Willi Vogl

Lörrach. Unterstützt wurde er dabei von seinen Vereinskollegen, die auf dem Firmengelände der Badenova ihre Lehrbienenstöcke stehen haben. Anja und Thomas Knüpfer vom Seniorenbeirat fungierten als ehrenamtliche Organisatoren im Hintergrund. Die über 20 Veranstaltungsteilnehmer erfuhren Wissenswertes rund um die Biene, gerieten ins Staunen angesichts der staatstragenden Lebensmechanismen eines Bienenvolkes und vertieften ihre gewonnenen Einsichten mit einem süßen Abschluss.

Seit 130 Jahren finden sich im Lörracher Imkerverein Bienenfreunde zusammen, um ihr Wissen über diese nützlichen Tiere auszutauschen. Während man Bienen früher eher zum Broterwerb hielt, geschehe dies heute vermehrt aus Idealismus. Utner verwies dabei auf die sich verändernde Haltung und den wachsenden Respekt gegenüber diesen nützlichen Tieren, die angesichts der flächendeckenden Monokulturen in der Landwirtschaft und der sich derzeit rasant verändernden Klimabedingungen plötzlich im Fokus stehen. So würde eine lediglich auf Erntemaximierung orientierte Landwirtschaft vergessen, dass gute Erträge entscheidend auch von ausreichender Befruchtung etwa durch Bienen abhingen.

Inzwischen fänden die Bienen in einer relativ gut begrünten Stadt wie Lörrach übers Jahr gesehen bessere Nahrungsbedingungen als auf dem Land. 50 000 bis 60 000 Bienen pro Beute brächten je nach Wetterbedingungen und Fleiß etwa 15 bis 50 Kilogramm Honig pro Jahr. Das Maximierungsdenken gebe es leider auch bei Imkern. „Afrikanisierte amerikanische Honigbienen brächten zwar bis zu 100 Kilogramm pro Jahr, sind jedoch wesentlich aggressiver“, nennt Utner ein Problem mit der sogenannten „Killerbiene“.

Die aus Asien stammende Varroamilbe sei ein weiteres Problem. Einige Imker würden bis in den späten Herbst Honig ernten wollen und seien nicht bereit, vorsorglich ihre Tiere – etwa naturnah mit verdunstender Ameisensäure – zu schützen, da sie damit Verkaufseinbußen erleiden würden. Dies führe oft zum tödlichen Verlust ihrer Bienenvölker.

„Von den Bienen können die Menschen lernen“

Diese Probleme aber auch die basalen Grundsätze bei der Bienenhaltung im Blick, bietet der Lörracher Imkerverein seinen Mitgliedern eine umfassende Schulung an. In der einjährigen Führung durch das Bienenjahr lernt der Hobbyimker etwa, wie man sich fachgerecht einer Beute nähert, welche Zusammenhänge es zwischen den Honigsorten, Standorten der Bienenstöcke und der jeweiligen Jahreszeit gibt, mit welcher Nahrungskombination man seine Bienen verantwortlich überwintert oder wie man seinen Honig korrekt deklariert.

Die Veranstaltungsteilnehmer waren beeindruckt von der naturnahen Arbeitsweise der hiesigen Imker, aber vor allem von den bislang immer noch nicht völlig erforschten staatstragenden Lebensgrundsätzen der Bienenvölker. Abschließende Urteile wie „Honig sollte so teuer wie Gold sein“ oder „Von den Bienen können die Menschen lernen“ geben zu denken.   Weitere Infos bei Norbert Utner: Imkerverein-Loerrach@web.de

 

Theoriekurs: Nun wartet die Imkerpraxis

Die Oberbadische, 11.07.2018 02:16 Uhr

 
 
 Foto: Die Oberbadische

Foto: Die Oberbadische

 

Theorie geschafft – nun wartet die Imkerpraxis:

Nach sieben Abenden, verteilt über knapp vier Monate, freuten sich 17 Imkerei-Interessierte über das Zertifikat aus den Händen von Norbert Uttner, dem Vorsitzenden des Imkervereins Lörrach.

Neben „klassischen Inhalten“ wie Bienenkunde, Völkerkontrolle, Ernährung und Zucht treten nun auch Aspekte wie Bienenkrankheiten und Ökotoxikologie in den Vordergrund.

Der theoretische Teil ist Vorbedingung für die Teilnahme am praktischen Kurs „begleitendes Imkern“ auf dem Gelände der Badenova in Lörrach. Hier werden die Teilnehmer des letztjährigen Theorie-Kurses ein Jahr lang praktisch an den Bienenvölkern ausgebildet.

Der Imkerverein Lörrach hat mit dem nun dritten Kurs dieser Art bereits 100 Imkerinnen und Imker an die Bienenzucht herangeführt und bildet damit einen bundesweiten Trend ab (wir berichteten). Seit 2005 steigt in Deutschland die Anzahl der Imker wieder kontinuierlich von etwa 90 000 auf etwa 130 000 im Jahr 2017 an.

Bemerkenswert daran: Immer mehr verbandlich ungebundene Privatpersonen haben sich entschlossen, Imker zu werden. Daher plant der Imkerverein Lörrach auch im nächsten Jahr wieder ein interessantes Kursangebot, Foto: zVg

 

Sympathische Werbung für Energie aus der Natur

Von Martina David-Wenk

Badische Zeitung Do, 26. April 2018

 

Vor dem Badenova-Servicegebäude an der Wiesentalstraße wurden vier Bienenstöcke aufgestellt / Unterstützung für den Imkerverein.

 

 

Bienen an einem Bienenstock | Foto: dpa

Bienen an einem Bienenstock Foto: dpa

 

Jung-und Altimker treffen sich nun wöchentlich auf dem Gelände der Badenova. | Foto: Martina David-Wenk/Sebastian Kahnert (dpa)

Jung-und Altimker treffen sich nun wöchentlich auf dem Gelände der Badenova. Foto: Martina David-Wenk/Sebastian Kahnert (dpa) Jung-und Altimker treffen sich nun wöchentlich auf dem Gelände der Badenova. Foto: Martina David-Wenk/Sebastian Kahnert (dpa)

LÖRRACH. Mit den vier Bienenstöcken vor dem Badenova-Servicegebäude an der Wiesenstraße unterstützt die Badenova den Lörracher Imkerverein. Auf der Wiese rund um das Servicecenter unterrichten nun die erfahrenen Imker die Jungimker bei der Pflege der Brut. Den Honig, den die Imker hier gewinnen werden, können sie an die Badenova verkaufen. 15 bis 30 Kilogramm werden dies pro Jahr sein. Als "wahre Naturenergie", wird er als sympathischer Werbeträger sehr geschätzt. Lörrach ist ein weiterer Standort, neben zum Beispiel Freiburg, Lahr und Offenburg.


Die Bienen seien ein sympathischer Werbeträger, sagt Roland Weis, Leiter der Badenova. Norbert Uttner, Vorsitzender des Lörracher und des Kreisbienenvereins, freut sich über die Zusammenarbeit. Vielen Jungimkern fehle es an Platz für die Bienenstöcke, man freue sich sehr über das Gelände, so der passionierte Imker. Einmal in der Woche werden nun Alt-und Jungimker sich an den Stöcken treffen. Die erfahrenen leiten die künftigen Imker an, wie mit den stacheligen Insekten umzugehen ist.

Katja Dein wollte etwas tun gegen das Insektensterben. In Zürich hatte sie die ersten Kontakte mit der Bienenhaltung. In Lörrach hat sie nun den Kurs beim Bienenverein besucht. An sieben Abenden mit jeweils drei Stunden hat sie viel Wissenswertes über die Honigsammler gelernt, und nun soll es endlich losgehen mit den eigenen Bienen.

Die Anzahl der Bienenhalter sei gestiegen, sagt Norbert Uttner, doch die Völker seine weniger geworden. Bienenzucht werde oftmals als Hobby betrieben und da reichen wenige Völker.

Mehr als zwanzig Jungimker sind es in jedem Jahr, die beim Imkerverein in Lörrach alles Notwendige lernen wollen. Imkern ist eher eine Passion für die Generation 40 plus, sagt Norbert Uttner. Johannes Pieper aus Schönau ist allerdings erst 26 Jahre alt. Er erfüllt sich hier einen Kindertraum. Schon seine Großmutter hatte Bienen, jetzt will er lernen, wie sie zu pflegen sind. Benjamin Klauke aus Weil am Rhein ist 35 Jahre alt, der junge Vater will einen naturnahen Garten, in dem es summen und brummen soll. Und wie ist es mit den Stichen? Haben die Imker keine Angst vor den wehrhaften Bienen?


Katja Dein hat schon jetzt ihren Schutzanzug dabei, obwohl sie noch gar keine Bienen in ihrem Stock hat. Die Bienen seien noch etwas "vergelschteret", sagt Norbert Uttner, der die Kästen am Morgen aus Fröhnd nach Lörrach gefahren hat. Also heißt es genügend Abstand halten, um der Gefahr aus dem Weg zu gehen. Die Angestellten der Badenova brauchen keine Angst zu haben. Wer den Bienen nichts tut, dem tun sie auch nichts.

 

 

 

 

 

 

Badische Zeitung 06.03.2018

Bienenzüchter sehen gute Zukunft, Rolf Reißmann, Di, 06. März 2018

 

      Auch im Landkreis Lörrach steigen immer mehr junge Leute in die Imkerei

      ein / Pestizide sind nur in der Rheinebene ein Thema.

 

 

 

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Die Imkerei, auch in Städten, liegt offenbar wieder im Trend. Foto: dpa

 

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Imkerobmann Norbert Uttner (links) und der Fachreferent Johannes Wirz .

 

Foto: Rolf Reißmann. Im Kreis Lörrach geht es den Bienen und demzufolge auch den Imkern gut. Als sich am Sonntag rund 80 Bienenzüchter zur Jahresversammlung trafen, konnten sie allesamt auf eine gute Saison hoffen. Der Charakter der Imkerei hat sich allerdings in den vergangenen Jahren auch in der Region deutlich verändert.

Die Zahl der Wanderimker, die mit ihren Völkern zur Erwerbssicherung durchs Land ziehen, ist mittlerweile sehr gering. Viel häufiger ist die Arbeit mit wenigen Bienenvölkern, die als Nebenerwerb in begrenztem Radius agieren. Kreisobmann Norbert Uttner sieht mit großer Freude, dass immer mehr junge Leute in die Imkerei einsteigen. "Wir finden großes Interesse, das sichert der Imkerei hier für die nächsten Jahre eine gute Zukunft", sagte er. "Bewährt haben sich dabei die jährlichen Imkerkurse, in denen Jugendliche und ältere Anfänger gewissermaßen eine Grundausbildung erhalten."

Auch die Imkerversammlung am Sonntag diente der Weiterbildung. Neben Hinweisen auf Änderungen von Regeln und Informationen zur bevorstehenden Saison fand der Vortrag von Johannes Wirz große Aufmerksamkeit. Der Wissenschaftler vom Forschungsinstitut am Goetheanum in Dornach sprach über naturbezogene Imkerei. Dabei griff er unter anderem die Völkervermehrung über den Schwarmtrieb und den Verzicht auf künstliche Königinnenzucht auf.

Besonders interessiert hörten die Imker zu, als Wirz auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu sprechen kam. Etwa 120 000 Tonnen davon werden jährlich in Deutschland ausgebracht. "Und dann sagt man uns, dies würde keine Folgen für die Insektenbestände haben", fügte er ironisch an. Von den Teilnehmern kam dazu der Hinweis, dass die Verwendung von Agrochemikalien in der Landwirtschaft nach entsprechender Belehrung und unter Kontrolle erfolgt, ganz anders aber bei den Kleingärtnern, für die es keine spezielle Ausbildung und Überwachung gibt. Auf die Fläche bezogen werde von Kleingärtnern wesentlich mehr Mittel als in der großflächigen Landwirtschaft ausgebracht, räumte Wirz ein, allerdings sei die absolute Menge deutlich geringer.


In diesem Zusammenhang verwies er auf das in den vergangenen Jahren zunehmende Stadtimkern. Untersuchungen ergaben, dass bei Bantuvölkern in Städten keinerlei Pestizidbelastung auftritt, weil deren Fluggebiete wie etwa Parks, Stadtgärten und siedlungsnahe Freiflächen nicht mit solchen Chemikalien behandelt werden. Im Kreis Lörrach sei die Belastung durch Pestizide nicht so stark, ergänzte Uttner, im Wiesental treten sie so gut wie gar nicht auf, in der Rheinebene etwas mehr aber auch begrenzt. Bewährt hätten sich die regelmäßigen Gespräche, die im Landratsamt von Imkern, Fachleuten der Behörde und dem Bauernverband geführt werden. "Diese Abstimmungen schaffen Verständnis für die Belange beider Seiten und vermeiden Extreme." 2017 habe es keine Meldungen über Verluste wegen Überbelastungen durch Pestizide gegeben. Nach wie vor gut funktioniert auch die Vermarktung des Honigs in der Region. Dafür nutzen die Imker sehr unterschiedliche Formen, sei es nun als Direktverkäufer und auch über kleinere oder größere Händler. Der in anderen Gegenden aufgetauchte gepanschte Honig komme hier nicht vor.

 

Ohne Bienen gibt es keinen Obstbau

Gespräch zu Bienengesundheit mit Imkern, Landwirtschaftsverband, Landratsamt und MdB Schuster.

  1. Gertraud Lohrmann, Albert Zimmermann, Verena Christen, Rainer Eiche, Norbert Uttner, Klaus Nasilowski und Armin Schuster (von links) Foto: ZVG

 

 

STEINEN-HÖLLSTEIN (BZ). Die Gesundheit von Bienen hängt von vielen Faktoren ab: Neben Pflanzenschutzmitteln können Umwelteinflüsse sowie der Befall mit der Varroamilbe negative Auswirkungen haben. Auf Initiative des CDU-Bundestagsabgeordneten Armin Schuster kamen in Steinen-Höllstein Vertreter der Kreisimkerschaft, des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV) und des Landratsamtes Lörrach zusammen, um sich über die Bienengesundheit im Kreis auszutauschen, teilte der Abgeordnete der Presse mit.

Verena Christen forscht an der Fachhochschule Nordwestschweiz im Bereich Ökotoxikologie über die molekularbiologischen Auswirkungen von Spritzmitteln auf Bienen. Ein Zwischenergebnis ihrer Feldstudie sei, dass sich Orientierung, Gedächtnis und Immunsystem der Bienen nach Kontakt mit Pflanzenschutzmitteln zunächst spürbar verschlechterten. Nach sieben Tagen habe sich der Zustand der Bienen wieder normalisiert. Allerdings sei eine Schwächung des Immunsystems der Bienen zu beobachten, selbst wenn Mittel weit unterhalb der zulässigen Grenzwerte angewendet würden. Die Gründe seien noch nicht abschließend erforscht. Vermutlich spiele auch der Klimawandel eine Rolle. Die Winter seien nicht mehr kalt genug.

 


Nobert Uttner, Kreisvorsitzender der Imker, beobachtet starke Schwankungen im Zustand seiner Bienenvölker, die nicht eindeutig zu erklären seien. Dieses Jahr sei es um die Gesundheit gut bestellt. Imker müssten selbst einen Beitrag leisten und ihre Bienenvölker vorsorglich behandeln (zum Beispiel mit Ameisensäure und Oxalsäure), um sie vor Ansteckungsgefahren zu schützen, sagte Imker Rainer Eiche. Imker seien heute überwiegend Amateure, während Landwirte in der Regel von ihrer Arbeit leben müssten. Umso wichtiger sei es, die jeweiligen Positionen zu verstehen.

BLHV-Regionalgeschäftsführer Albert Zimmermann stellte klar, dass Landwirte nur mit entsprechendem Sachkundenachweis tätig werden dürften. Daher sei ihm lieber, über konkrete Fälle von Fehlverhalten zu diskutieren als zu verallgemeinern. Obstbauern wüssten, dass es ohne Bienen keine Äpfel gibt. Der Pflanzenschutz sei viel ausgefeilter als noch vor 50 Jahren. Auch Hobbygärtner sollten umfassend beraten werden, um zur richtigen Zeit die passenden Mengen auszutragen. Oft sei der Einsatz einer Harke im heimischen Garten völlig ausreichend.

Kreisobstbauberater Klaus Nasilowski verwies bei dem Fachgespräch auf das umfassende, freiwillige Fortbildungsangebot für Obstbauern, wie man Schäden für Bienen vermeiden könne. Ein Problem seien allerdings häufig wechselnde Auflagen. Daher seien die Betriebe auf eine kontinuierliche Beratung angewiesen. Das Landratsamt nutze verschiedene Kanäle. Tagesaktuelle Empfehlungen würden per Fax versendet, gegenwärtig gehe es zum Beispiel um die Walnussfruchtfliege. Imker könnten Schäden an ihren Bienen melden. Erster Ansprechpartner sei der Bienensachverständige im Ortsverein. Dann könne man sich an das Landratsamt wenden, das Proben für weitere Untersuchungen nehme.

Imker-Verband, BLHV und Landratsamt wollen den Austausch in Zukunft intensivieren. Der einmal jährlich unter der Ägide des Landratsamtes tagende Bienenschutzausschuss könne das geeignete Diskussionsforum sein, befand Gertraud Lohrmann, Leiterin des Fachbereichs Landwirtschaft und Naturschutz im Landratsamt. Dort kämen Fachleute, Verbandsvertreter und interessierte Landwirte und Imker zusammen. Um einen breiteren Kreis von Landwirten zu erreichen, schlug Schuster vor, dass Bienenfachleute in BLHV-Bezirksversammlungen das Thema Bienengesundheit vorstellen. Uttner lud seinerseits den BLHV zu den Imker-Versammlungen ein, um auch dort beide Sichtweisen zu diskutieren.

 

 

 

 

Eine Beziehung mit Spannungen

Das Verhältnis zwischen Landwirten und Imkern ist bisweilen mit Konflikten behaftet.

 

 

 

  1. CDU-Bundes- und Landespolitiker informierten sich bei den Imkern über ihre Probleme, links deren Kreisobmann Norbert Uttner. Foto: Mink

LÖRRACH. Imkerei und Landwirtschaft brauchen einander. Dennoch kommt es hin und wieder zu Konflikten, nicht zuletzt wegen des Einsatzes von Pestiziden. Diese seien teilweise unzureichend gekennzeichnet, kritisieren die Imker. Um darüber zu sprechen, hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Schuster seinen Kollegen Alois Gerig, Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft, nach Lörrach eingeladen.

Als ein Problem sprach Norbert Uttner, Kreisobmann der Imker, die Pestizidkennzeichnung "B4 – bienen-ungefährlich" an. Diese Bezeichnung täusche, denn auch bei solchen Stoffen verlieren die Bienen die Orientierung, finden nicht mehr in den Stock zurück und sterben, sagte Uttner, der eine andere Kennzeichnung anregte. Zwar sollen laut Gebrauchsanleitung solche Stoffe erst abends ausgebracht werden, wenn die Bienen nicht mehr fliegen, aber es gebe auch einzelne Landwirte, die das mittags um zwölf Uhr spitzen, fügte Dietmar Bogdal, Zweiter Vorsitzender des Imkervereins Rheinfelden, an.

Alois Gerig, der selbst aus der Landwirtschaft kommt, meinte, es müsse bezüglich dieser Pestizide weiter Forschung betrieben werden. Er regte auch runde Tische an, bei denen Imker und Landwirte sich austauschen, um gegenseitig ihre Probleme zu verstehen. "Und wenn jemand über die Stränge schlägt, muss man Ross und Reiter nennen", sagte Gerig. Er wisse, wie wichtig die Imkerei für die Vielfalt der Kulturlandschaft und den Ertragreichtum der Früchte ist. Auf den fünf Prozent ihrer Flächen, die sie stilllegen müssen, sollen die Landwirte Blütenmischungen ausbringen, was von den Imkern positiv anerkannt werde, meinte Gerig. In der Region gebe es aber viele Nebenerwerbs-Landwirte, bei denen man froh sein müsse, dass sie ihren Betrieb überhaupt weiterführen, gab der CDU-Landtagsabgeordnete Ulrich Lusche zu bedenken. Uttner betonte, das Verhältnis zu den meisten Landwirten sei tadellos, es gebe aber einzelne schwarze Schafe. Und in Einzelfällen sei das Verhältnis so vergiftet, dass kein Dialog mehr zustande komme. Armin Schuster nahm sich vor, ein Gespräch anzustoßen zwischen Imkern, Landwirten und Weinbauern.

(Badische Zeitung 15.08.2015)

Ein Dialog kommt nicht zustande

Infoveranstaltung zum Schädling Kirschessigfliege erreicht Imker im Landkreis, aber keine Obst- und Weinbauern.

  1. Eine Kirschessigfliege auf einer Weintraube Foto: dpa

 

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  1. Klaus Nasilowski, Norbert Uttner und Klaus Wallner (von links) Foto: Wunderle

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RHEINFELDEN-EICHSEL. "Die Kirschessigfliege – wie ein Insekt die Welt der Bienen und des Honigs verändert": Unter diesem Titel stand eine außerordentliche Versammlung der Imker im Landkreis Lörrach. Klaus Wallner von der Landesanstalt Bienenkunde der Universität Hohenheim referierte über den Schädling aus Asien. Auch Klaus Nasilowski, Obstbauberater beim Landratsamt Lörrach, war zugegen.
Um die 50 Imker von Todtnau bis Rheinfelden waren anwesend, aber kein einziger Obst- und Weinbauer, einzig ein Mann aus Maulburg, der Imker und Obstbauer ist, zeigte Interesse. Daher entstand nach dem Fachvortrag keine kontroverse Diskussion. "Schade, dass keine Obst- und Weinbauern unserer Einladung folgten, wir wollen doch miteinander arbeiten und eine Lösung finden. Ich will Brücken aufrichten und den Dialog suchen", sagte Kreisobmann Norbert Uttner. Schließlich betreffe die Fliege Imker wie Wein- und Obstbauern. "Wir müssen vernünftig miteinander umgehen, uns gegenseitig ernst nehmen und verstehen, warum die Kirschessigfliege für beide ein Problem ist", bekräftige Wallner, der sich in der Rolle des Vermittlers sieht.

Die Kirschessigfliege, die wahrscheinlich in Früchten aus Asien eingeschleppt wurde, agiere als "Feind im freien Raum", da sie keine Gegenspieler hat. Die Obstsorten werden unterschiedlich stark befallen, die Larvenentwicklung läuft sehr schnell im Inneren der Frucht ab. Erstaunlich sind die Parallelen zwischen der Varroa-Milbe und der Kirschessigfliege. Der Obst- und Weinbau erlebt derzeit eine Situation wie die Imkerei vor Jahren mit der Milbe, die sie immer noch nicht im Griff hat. Dabei hat das Ernteprodukt der Imker nichts mit der Bekämpfung zu tun, da das Produkt Honig nicht gefährdet sei.

98 Prozent der Imker betreiben die Imkerei als Hobby. Bei den Obst- und Weinbauern hingegen geht es um die Existenz. Die Kirschessigfliege mag das gesamte Beeren- und Steinobst samt Trauben. Die Folgen sind Ungenießbarkeit. Die Bekämpfung ist sehr schwierig, da der Angriff der Kirschessigfliege über Wochen erfolgt. Chemische Verfahren hinterlassen Rückstände, auf Nützlinge wie die Honigbiene, muss Rücksicht genommen werden. Daher ist die Präparatepalette sehr begrenzt; es ist schwierig, den Schädling wirksam anzugreifen. In Zeiträumen, in denen früher nie Insektizide eingesetzt wurden, muss jetzt die Behandlung erfolgen. Bienen werden so mit den Insektiziden konfrontiert; sie sammeln verstärkt Fruchtsäfte von verletzten Früchten. Ziel sei es, die Verletzung der Früchte auszuschalten, so dass reifende Obstanlagen kaum Fruchtsäfte freisetzen und für Bienen uninteressant bleiben. "Damit rutschen Imker, Obst- und Weinbauern in ein gemeinsames Boot", sagte Wallner. Beide Seiten müssten den Dialog suchen, appellierte er.

(Badische Zeitung 16.05.2015)

Ohne Bienen gäbe es keine Menschen

Die Wanderausstellung "Blühender Naturpark", die im Rathaus zu sehen ist, zeigt, wie wichtig blütenbestäubende Insekten sind.

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  2. Foto: Barbara Ruda
  3. Vernissage von „Blühender Naturpark“ im Foyer das Rathauses. Foto: Barbara Ruda

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LÖRRACH. Bei der Vernissage von "Blühender Naturpark" am Donnerstagabend im Rathausfoyer sprach Bürgermeister Michael Wilke ganz bewusst von "unserer Ausstellung". Schließlich sei die Stadt Lörrach das Eingangstor zum Naturpark Südschwarzwald und er selbst Vorstandsmitglied dieser Vereinigung. Die Wanderausstellung, die mit eindrucksvollen Bildern auf Bedeutung und Situation von blütenbestäubenden Insekten aufmerksam macht und darüber informiert, was jeder Einzelne dafür tun kann, wurde für die Station Lörrach erweitert und verändert.
So werden etwa auf einer Informationstafel die Standorte von verschiedenen Blumenwiesen in der Stadt angezeigt und ein Indoor-Beet wurde mit Lungenkraut, Schlüsselblumen, Waldmeister und Küchenschellen bepflanzt. Denn Natur, so machte Michael Wilke in seiner Ansprache deutlich, hört bei Weitem nicht am Stadtrand auf.

Die Kampagne "Blühender Naturpark" will gemeinsam mit Gemeinden, Naturschutzverbänden und Imkervereinen auch die Städte und ihre Naturräume blumenbunter und artenreicher machen, allerdings nicht mit Hybridpflanzen oder englischem Rasen, sondern mit Wildkräutern und -blumen, um das Nahrungsangebot für Bienen, Schmetterlinge, Hummeln und Co. wieder vielfältiger zu machen und damit den Blütenbesuchern willkommenes Futter zu bieten. "Ohne Wildblumen und -flächen haben wir keine Bienen", erläuterte Michael Wilke, "und 80 Prozent aller Pflanzen werden von Bienen bestäubt." Der Bürgermeister zitierte Albert Einstein, der festgestellt hatte: "Stirbt die Biene, stirbt auch der Mensch". Vier Jahre Zeit hat er dafür vorausgesehen. Fehlte ein Glied in der Nahrungskette, habe das nämlich drastische Folgen.

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Vor zwei Jahren wurde bei der Stadt deshalb die Arbeitsgruppe Biodiversität ins Leben gerufen und die Charta unterschrieben, mehr Artenvielfalt in die Stadt zu bringen. Das gehöre zwar nicht zu den Pflichtaufgaben, es sei aber Verpflichtung, dazu beizutragen. Die Stadt, die bis 2012 insgesamt 6000 Quadratmeter Wildblumenfläche hatte, ist in den vergangenen zwei Jahren vorgeprescht und 13 000 Quadratmeter dazugewonnen. Zusammen mit weiteren 3000 Quadratmetern, die heuer ausgesät werden, kommt man dann – so das Ziel – auf zwei Hektar. Doch kann die Stadt nicht alleine für Artenvielfalt sorgen, sondern braucht Bürger, die dazu beizutragen.

Die Ausstellung und ein attraktives Begleitprogramm soll das Bewusstsein wecken und den einen oder anderen Impuls setzen, etwa durch praktische Tipps, was man auf dem eigenen Balkon oder im Garten für blütenbestäubende Insekten tun kann. Vielleicht müsse der eine oder andere auch seine Vorstellung und Wahrnehmung ändern – will meinen, was blüht und verblüht auch mal stehen lassen und nicht jeden Samstag zu mähen. "Das ist das, was wir uns unter einer attraktiven Stadt vorstellen", sagte der Bürgermeister, "und zwar nicht bloß für den Menschen, sondern auch für die Natur und die Tiere." Um das zu erreichen, arbeitet die Stadt auch mit dem Trinationalen Umweltzentrum zusammen. Der Nabu hat die Ausstellung mit Plakaten ergänzt und mittlerweile auch Gärtnereien der Stadt dazu gebracht, Wildblumen in ihre Angebote aufzunehmen. Ein weiteres Thema in diesem Zusammenhang ist das Urban Gardening.

Eine Honigverkostung sorgte bei der Vernissage dafür, dass die Besucher die Wichtigkeit der Artenvielfalt auf der Zunge schmecken konnten. Am Montagabend gab es den Vortrag "Bienen – Vielfalt der Natur" von Norbert Uttner, Kreisimkermeister und Vorsitzender des Imkervereins Lörrach mit Honigverkostung im Nellie Nashorn. Die Ausstellung dauert bis zum 4. Mai.

(Badische Zeitung 21.04.2015)

 

"Bienenvölker sind gesund"

BZ-INTERVIEW mit Norbert Uttner, dem Kreisobmann der Imker.

  1. Die Bienen hatten dieses Jahr eine kurze aber intensive Saison. Foto: dpa

  2. Norbert Uttner Foto: privat

  3. Die Bienen hatten dieses Jahr eine kurze aber intensive Saison.

 

 

RHEINFELDEN. Mit Bienen verbinden die meisten Menschen vor allem Honig. Damit dieser produziert werden kann, brauchen die Bienen aber nicht nur Pflege durch die Imker, sondern auch viele Blüten. Martina Proprenter sprach mit Kreisobmann Norbert Uttner über das Honigjahr und den Zustand der Bienen im Landkreis.

BZ: Herr Uttner, lange hat der Sommer auf sich warten lassen, war es dennoch ein gutes Bienenjahr?

Uttner: Das Bienenjahr war kurz aber intensiv. Nach der langen Regen-Kälteperiode, schwärmten die Bienenvölker im Mai und Juni stark und die Imker hatten viel Arbeit, die Völker zu führen. Nach dem langen Regen setzte sofort die Blütentracht ein. Innerhalb kurzer Zeit holte die Natur die "Verspätung" des Blühens nach. Es gab für die Bienen ein großes Pollenangebot, die Völker holten rasch die Verspätung auf und auch die Imker freuten sich über einen guten Blütenhonigertrag. Nach der Blütentracht setzte gleich die Waldtracht ein. Auch hier waren die Imker mit dem Ertrag zufrieden. Leider klagen viele Imker über Melezitosehonig, auch als "Zementhonig" bekannt, der sich nur bedingt schleudern lässt. In der Region Kandern konnten so nur zehn Prozent des Honigs geschleudert werden.

 

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BZ: Für die Imker war es demnach ein gutes Honigjahr, wie geht es den Bienen?

Uttner: Die Bienenvölker im Landkreis sind gesund. Es sind mir keine größeren Völkerverluste dieses Jahr gemeldet worden. Es konnten trotz des späten Starts genügend Ableger gebildet werden, die sich gut entwickelten. Die Ableger sind etwas schwächer als die Jahre zuvor, liegen aber in Toleranzbereich. Allerdings wurde mir ein Fall von Bienenvergiftung aus dem Markgräfler Imkerverein von einem sehr erfahrenen Imker gemeldet, hier liegt aber das Untersuchungsergebnis leider noch nicht vor.

BZ: Der Sommer ist nun fast vorüber. Wie geht die Arbeit für die Imker weiter?

Uttner: Im Moment sind die meisten Imker mit der Einwinterung der Bienenvölker beschäftigt. Wichtig ist es, dass alle Imker die Völker spätestens jetzt gegen die Varroamilbe behandeln. Hierzu gibt es das Varroose-Bekämpfungskonzept des Landes Baden-Württemberg. Dieses wurde an alle Imker in den Vereinen verteilt und ist im Internet herunterladbar. Die Milbe könnte auch medizinisch bekämpft werden, aber wir bevorzugen die natürliche Bekämpfung, weil dadurch keine Rückstände im Honig bleiben. Im Frühjahr schneiden wir Drohnenwaben aus, im Juli und August werden die Bienenvölker mit Ameisensäure, im Dezember mit Oxalsäure behandelt. Beides kommt von Natur aus im Bienenvolk vor.
 

Norbert Uttner (48) ist seit März Kreisobmann der Imker im Kreis Lörrach und seit zehn Jahren im Vorstand der Lörracher Imker. Seit 1991 ist der Geschäftsführer einer Bildungseinrichtung Hobby-Imker.

 

  1. "Monokultur ist tödlich"

    Film "More than honey" stößt auf Interesse / Probleme auch im Kreis, aber kein Bienensterben.

    1. Norbert Uttner, Kreisobmann der Imker Foto: Mink

    2. Blühende Wiesen mit unterschiedlichen Pflanzen wären ideal für Bienen und Imker. Foto: dpa

     

    LÖRRACH. "Wenn die Bienen aussterben, stirbt vier Jahre später der Mensch aus", soll Albert Einstein gesagt haben. Weltweit sterben Bienen als Folge von Zivilisationseinflüssen, wie der Film "More than honey" deutlich machte. "Wir haben im Landkreis Lörrach auch Probleme mit Bienensterben, aber nicht so extrem wie im Film dargestellt", sagte Imker Norbert Uttner im Anschluss an die Filmvorführung.

    Der Werkraum Schöpflin in Brombach war am Dienstagabend vollständig gefüllt, als der Dokumentarfilm des Schweizers Markus Imhoof gezeigt wurde, der beim Deutschen Filmpreis in Berlin die Goldene Lola als bester Dokumentarfilm erhalten hat. Spannend wie ein Spielfilm und mit faszinierenden Aufnahmen aus Bienenstöcken erzählt der Film von traditionellen Imkerei im Berner Oberland und ihrer industriellen Variante in den USA.

    Während der Imker in der Schweiz auf natürliche Weise Bienen hält und darauf achtet, dass sie sich nicht mit fremden Arten vermischen, gibt es in den USA Produzenten, die tausende von Bienenvölkern halten. Quer durch die ganzen USA werden diese immer dorthin transportiert, wo in den riesigen Monokulturen gerade etwas blüht. Doch häufig sterben ganze Bienenvölker, ohne dass man genau weiß, warum. Das Zusammenspiel von Pestiziden und Umweltgiften, von Überzüchtung, Antibiotika, Stress und Parasiten, letztlich die Zivilisation, sei es, was die Bienen tötet, vermutet der Film. Doch auch im Berner Oberland, wo es keine Pestizide gibt, sterben ganze Bienenpopulationen an der Faulbrut.

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    Bienen produzieren nicht nur Honig. "Ein Drittel von allem, was wir essen, gäbe es nicht ohne Bienen", heißt es im Film. Bienen bestäuben Pflanzen und sorgen dafür, dass sie blühen, sich vermehren können und Früchte tragen. Was passiert, wenn es keine Bienen mehr gibt, zeigt der Film an Beispiel Chinas, wo es Landstriche gibt, in denen nach dem flächendeckenden Einsatz von Pestiziden keine Bienen und Insekten mehr leben. Dort müssen sämtliche Blüten an den Bäumen von Wanderarbeitern von Hand bestäubt werden.

    Nach dem Film beantwortete Norbert Uttner, Vorsitzender des Imkerverein Lörrach und Kreisobmann der Imker, Fragen der Zuschauer. Im Kreis Lörrach sind ausschließlich Hobby-Imker tätig, die selten mehr als 20 Bienenvölker haben. Wenn es Probleme gibt, verwenden sie keine Medikamente, sondern natürliche Mittel, sagte er. Industrialisierte Bienenhaltung wie in den USA ist Uttner in Deutschland nicht bekannt. Zwar gibt es Berufsimker, aber auch diese haben nicht mehr als 200 bis 300 Völker. Probleme gibt es indessen auch hier. "Monokulturen, etwa große Flächen, auf denen nur Weizen oder nur Mais angebaut wird, sind tödlich für die Bienen", sagte Norbert Uttner. Die Biene brauche unterschiedliche Pollen. "In der Stadt geht es den Bienen meist besser als auf intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen", stellte er fest.

    "Blühende Wiesen wären ideal, aber schon kleine Blumenkästen auf dem Balkon sind gut und werden von den Bienen angeflogen", erklärte der Imker. Auch er stellte fest, dass die Bienen empfindlicher sind als vor 20 Jahren, doch von einem großen Bienensterben im Landkreis Lörrach ist ihm nichts bekannt. Auf die Frage nach dem Unterschied zwischen Biohonig und anderem Honig antwortete Uttner, jeder Honig vom Imker sei unbehandelt, und niemand verwende Antibiotika. Andererseits könne aber auch niemand mit Gewissheit sagen, wohin die Bienen fliegen und ob sie nicht auch mal auf ein mit Pestiziden behandeltes Feld geraten.

 

26 Jahre Engagement für die Bienenzucht im Kreis

Nach 26 Jahren an der Spitze der Imker im Landkreis Lörrach, ist Egon Wenk bei der Imkertagung im Gasthaus Maien in Eichsel, als Kreisobmann von seinem Nachfolger Norbert Uttner verabschiedet worden.

  1. Norbert Uttner (links) ist der neue Kreisobmann, er löst Egon Wenk ab. Foto: Petra Wunderle

 

 

RHEINFELDEN (pmü)."Es ist enorm, was Egon Wenk in diesen 26 Jahren geleistet hat. Danke für die unglaubliche Arbeit", rühmte Norbert Uttner seinen als Kreisobmann scheidenden Kollegen, der parallel dazu auch ein Vierteljahrhundert lang als Vorsitzender und Kassierer beim Imkerverein Rheinfelden fungierte. Uttner ernannt den 67-Jährigen zum Ehrenvorsitzenden, zudem überreichte er ihm von den acht Imkervereinen des Landkreises einen Essensgutschein.

Wie umfassend Egon Wenks Ehrenamt für die Bienenzucht ausfällt, zeigt die lange Liste seines Engagements als Kreisobmann. Uttner skizzierte die Arbeit des inzwischen pensionierten Lokführers der Deutschen Bahn, der 1972 durch seine große Liebe zu den Bienen fand. Egon Wenk heiratete nämlich damals Helga Schelb, die Tochter eines Imkers. 1977 trat Wenk dem Imkerverein Rheinfelden bei, wo er acht Jahre als Kassierer und 17 Jahre als erster Vorsitzender fungierte. Sein Lehrmeister war damals Egon Mutter. Bereits zwei Jahre später absolvierte er eine Ausbildung zum Bienensachverständigen und 1992 zum Schulungsreferenten des Landkreises Baden.

 

1987 trat er die Stelle des Kreisobmanns an, in all den Jahren hat er 50 Landesverbandsvorträge in Appenweier und 25 Landesverbandsimkertage in ganz Baden besucht. Spannend war 1994 eine Irlandreise mit dem Imkerverein Basel. Generell hat Wenk stets den Kontakt mit den Imkern in der benachbarten Schweiz gepflegt. Er organisierte 36 Imkerveranstaltungen mit Referenten, führte vier Imkerkurse zu je acht Abenden für Anfänger in Schopfheim und seit 1995 zehn Honigschulungen im Kreisgebiet aus. Darüber hinaus gäbe es noch über viele andere Veranstaltungen zu berichten und gerade wegen seines großen Engagements um die Imkerei wurde Wenk 2008 eine ganz besondere Auszeichnung zuteil: Er erhielt vom Landesverband Baden den "Zeidler". Zuvor erhielt er bereits vom Deutschen Imkerbund die Nadeln in Silber und Gold.

Wenk freut sich, dass er mit Norbert Uttner einen würdigen Nachfolger gefunden habe. Der neue Kreisobmann kommt aus Künaberg/Fröhnd und gehört dem Imkerverein Lörrach an, wo er seit vielen Jahren als Vorsitzender an der Spitze steht. Uttner ist 47 Jahre alt und Leiter der Bildungseinrichtung BBV in Lörrach. "Es ist Zeit, dass jetzt ein junger Mann einsteigt", sagte Wenk den Mitgliedern.

 

 

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